
10. Februar 2026
Die Trennung zwischen physischer und digitaler Welt löst sich zunehmend auf. Inhalte, Interaktionen und Interfaces existieren nicht mehr isoliert, sondern fügen sich zu durchgängigen Erlebnissen zusammen, die reale und virtuelle Elemente miteinander verzahnen. Nutzer:innen erwarten Medienangebote, die kontextsensitiv, personalisiert und interaktiv sind – nahtlos eingebettet in Alltagssituationen, Orte und soziale Kontexte, ob im öffentlichen Raum, zu Hause oder in immersiven digitalen Umgebungen.
In der Momentum Map steht der Makrotrend Phygital Worlds für diesen strukturellen Wandel. Medien, Marken und Technologien wachsen zu räumlichen, emotionalen und partizipativen Erlebnisräumen zusammen, in denen physische Präsenz mit digitalen Inhalten, KI-gestützter Interaktion und sozialer Teilhabe verschmilzt. Medien agieren dabei nicht mehr nur als Sender von Inhalten, sondern zunehmend als Gestalter von Umgebungen, Schnittstellen und Erlebnissen – und häufig auch als Gastgeber von Communities, Marktplätzen und Events.
Die folgenden vier Signale zeigen, wie konkret sich dieser Wandel bereits manifestiert und welche strategischen Spielräume sich daraus für Medienunternehmen und Marken ergeben.

AR-Brillen und Social-AR bringen Inhalte in den Stadtraum
Augmented Reality erweitert die reale Umgebung um digitale Inhalte, die kontextsensitiv eingeblendet und mit ihr verknüpft werden. AR-Erlebnisse gewinnen zunehmend an Alltagstauglichkeit: Smarte AR-Brillen zeigen Navigation oder Informationen direkt im Sichtfeld, und KI-Funktionen erzeugen oder personalisieren Inhalte spontan nach Kontext oder Nutzeranfrage. Ein Beispiel dafür sind die Ray-Ban Display Smart Glasses von Meta, die Nachrichten, Live-Übersetzungen und Wegführung direkt auf dem Brillenglas anzeigen – ein Schritt hin zu hands-free, situativ relevanten AR-Erlebnissen.
Marketing- und Medienunternehmen nutzen AR, um Interaktion und Aufmerksamkeit zu steigern: Social-AR-Kampagnen erzielen höhere Engagement-Raten und Markenbindung, weil sie Nutzer aktiv einbeziehen statt passiv informieren. Auch Spiele und Erlebnisse wie Niantic’s Peridot-Experimente zeigen, wie AR-Interaktionen mit tagesaktuellen Umgebungen und KI-Elementen angereichert werden.
Für Marken eröffnet das die Chance, Inhalte situativ, physisch und direkt erlebbar zu machen – etwa durch AR-Overlays in Innenstädten, Produkterklärungen vor Ort oder interaktive Inszenierungen bei Events. Gleichzeitig liegt die Herausforderung darin, diese Erlebnisse inhaltlich stark, kontextsensitiv und markenkohärent zu gestalten, statt sie zu reinen Gimmicks zu degradieren.
Wie Medien soziale VR-Formate und Brand-Spaces aufbauen
Virtual Worlds sind vollständig digitale Räume, in denen User als Avatare interagieren, erkunden und Inhalte gemeinsam erleben. Sie gewinnen zunehmend an Bedeutung als soziale, narrative und interaktive Erlebnisräume. In Events wie der IMMERSIVE X 2025-Festivalreihe treffen sich Kreative und Communities, um immersive Technologie, Live-Performances und XR-Kultur in virtuellen Umgebungen zu erleben und zu diskutieren.
Marken und Medien nutzen diese Räume für konkrete Engagement-Formate: Virtuelle Showrooms und persistent gedachte Brand-Spaces entstehen als dauerhafte Treffpunkte, in denen Nutzer Produkte erkunden, interagieren oder an digitalen Veranstaltungen teilnehmen. Parallel gewinnen digitale Modewelten und Avatar-Ökonomien an Zugkraft; Plattformen wie DRESSX kombinieren virtuelle Fashion-Erlebnisse mit sozialen Interaktionen und digitaler Identitätsbildung.
Für Medienunternehmen bedeutet das, dass Inhalte nicht nur linear konsumiert, sondern räumlich, sozial und partizipativ erlebt werden können – etwa in gemeinsamen VR-Sessions, hybriden Events oder persistenten Markengemeinschaften. Die strategische Herausforderung besteht darin, diese virtuellen Räume mit klaren Narrativen, organisatorischer Logik und langfristiger Community-Bindung zu verbinden, statt sie als kurzlebige Experimente zu behandeln und damit an Wirkung zu verlieren.
Interfaces für Medien jenseits klassischer Oberflächen
Post-Screen Interfaces verlagern die Interaktion mit digitalen Systemen weg vom Bildschirm hin zu natürlichen Signalen wie Sprache, Gesten, Blick oder Kontext. Interfaces treten dabei zunehmend in den Hintergrund und werden Teil der Umgebung, während KI-gestützte Systeme mehrere Eingaben gleichzeitig interpretieren und situationsabhängig reagieren.
Konkrete Anwendungen zeigen, wie alltagsnah dieser Wandel bereits ist. Live-Übersetzungs-Funktionen über Earbuds von Apple und Google ermöglichen es, Gespräche in Echtzeit zu verstehen, ohne ein Display zu nutzen – Informationen werden direkt auditiv bereitgestellt. Auch in XR-Anwendungen und Wearables werden Sprache, Eye-Tracking und Gesten kombiniert, um Inhalte freihändig zu steuern und zugänglich zu machen.
Für Medienunternehmen und Marken entstehen dadurch neue, kontextuelle Touchpoints jenseits klassischer Oberflächen. Inhalte können situationsabhängig ausgeliefert, barrierearm erlebt und nahtlos in Alltag, öffentliche Räume oder Events integriert werden. Entscheidend ist dabei, Interaktion nicht als technische Funktion zu denken, sondern als Teil einer konsistenten inhaltlichen und erzählerischen Logik.
Wenn KI Räume versteht und Erlebnisse kontextsensitiv steuert
Spatial AI beschreibt KI-Systeme, die ihre physische Umgebung erfassen, interpretieren und in Echtzeit darauf reagieren. Durch die Kombination aus Computer Vision, Sensorik, Audio-Signalen und KI-Modellen entsteht ein räumliches Verständnis, das über reine Objekterkennung hinausgeht und Situationen, Bewegungen sowie Kontext einbezieht. Digitale Systeme agieren dadurch nicht mehr losgelöst, sondern eingebettet in reale Umgebungen.
Konkrete Anwendungen zeigen, wie Spatial AI bereits eingesetzt wird: Plattformen wie Niantic nutzen räumliche KI, um physische Orte präzise zu erfassen und AR-Erlebnisse kontextsensitiv auszuspielen, etwa bei ortsbasierten Spielen oder Web-AR-Installationen. Auch NVIDIA setzt mit Omniverse und Spatial-Computing-Frameworks auf KI-Modelle, die reale Räume digital abbilden und simulieren – etwa für Trainings, Medienproduktionen oder virtuelle Set-Erweiterungen.
Für Medienunternehmen eröffnet Spatial AI neue Formen räumlicher Inszenierung. Inhalte können sich an Bewegungen, Aufmerksamkeit oder Aufenthaltsorten der Nutzer:innen anpassen – etwa in Ausstellungen, Events oder urbanen Installationen. Die strategische Herausforderung besteht darin, räumliche Intelligenz nicht nur technisch zu nutzen, sondern sie gezielt in Dramaturgie, Storytelling und Nutzerführung zu integrieren.
Fazit
Phygital Worlds verändern das Rollenverständnis von Medienunternehmen. Sie werden zu Kuratoren von Räumen, in denen Content, Interaktion und Transaktion eins werden. Die Spielregeln für Storytelling, Werbung und Markenführung erweitern sich nicht nur inhaltlich, sondern auch räumlich und sensorisch.
Wer es schafft, physische und digitale Touchpoints orchestriert zu verbinden, wird nicht nur Geschichten erzählen, sondern Welten gestalten, in denen Zielgruppen leben, arbeiten, spielen – und kaufen.
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Medieninhalte in diesem Blogbeitrag wurden mithilfe von KI erstellt.
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